Depressionen
- eine etwas andere Krankheit
Krankheiten sind immerzu präsent, egal ob im alltäglichen
Leben, in Ärzteserien wie „Grey’s Anatomy“ oder in den Nachrichten. Jeder wird
im Verlauf seines Lebens krank. Neben den typischen Erkältungen oder Grippen zu
jeder Jahreszeit gibt es natürlich auch chronische, langwierige, zum Teil
lebensbedrohliche Krankheiten sowie Muskelbeschwerden und Allergien. So
erkrankten in Deutschland, laut Statistiken des Robert Koch Institutes Berlin,
im Jahr 2011 circa 500.000 Menschen an Krebs. Neben den Krankheiten mit
physischen Symptomen wächst jedoch auch die Zahl der psychisch Erkrankten. Die
wohl Bekannteste dieser sind die Depressionen.
Kaum eine Krankheit wird gesellschaftlich so wenig
akzeptiert und stößt auf so viel Unverständnis, Betroffene werden oft in die
Schublade „faul“ und „unfähig“ gesteckt. Die Ursache hierin liegt wohl darin,
dass der Begriff „Depressionen“ umgangssprachlich verwendet wird, wenn eine
betrübte und niedergeschlagene Stimmung herrscht. Dies wird als depressive
Verstimmung bezeichnet und ist nicht zu verwechseln mit der Depression im
medizinischen Sinn. Der Unterschied besteht darin, dass depressive Menschen neben
der gedrückten und traurigen Grundstimmung in der Regel an Antriebsstörungen
leiden. Alles erfolgt wie gegen einen bleiernen Widerstand. 3,1 Mio. Menschen
in Deutschland im Alter von 18 bis 65 leiden an Depressionen, das macht 5%
dieser Altersgruppe aus. 15% aller Betroffenen begehen Suizid. Daher sind
Depressionen eine sehr wohl ernst zu nehmende und anerkannte Krankheit, die das
Leben der Betroffenen massiv beeinflusst und gar kontrolliert. Die Studie
„Global burden of disease“ der WHO („World Health Organization“) zeigt die zehn
häufigsten Ursachen für mit Beeinträchtigung gelebte Lebensjahre (YLD) in den
Industrieländern, an deren erster Stelle die unipolaren Depressionen stehen,
mit großem Abstand. Dies zeigt deutlich, was für eine große Rolle depressive
Erkrankungen heutzutage spielen. Die Größe der Beeinträchtigung für das Leben
der Menschen wurde durch die Anzahl der Erkrankungsjahre und die schwere der
Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens durch die Krankheit ermittelt.

Depressionen können verschiedene Ursachen haben, wie zum
Beispiel traumatische Erlebnisse. Zudem sind sie schwer zu erkennen, Betroffene
sehen sich oft nicht als krank an, probieren, mit der Situation selbst klar zu
kommen und suchen keinen Arzt auf. Dennoch können sie sich nicht selbst helfen,
da sich die Funktionsweise des Gehirns und der Hormonhaushalt verändern. Jedoch
ist selbst bei einem Arztbesuch keine Hilfe garantiert, über 50% aller Fälle
bleiben trotzdem unerkannt, da die Unterscheidung von depressiven Verstimmungen
sich als sehr tückisch erweist.
Deshalb gibt es viele Organisationen, die sich dafür
einsetzen, geeignete Diagnoseverfahren zu finden. Eine hiervon ist die
„Stiftung Deutsche Depressionshilfe“ und ihr Ziel ist es, insbesondere Hausärzte
auf dieses Thema aufmerksam zu machen und ihre Kenntnisse im Bereich der Diagnostik zu sensibilisieren.
Hinzu kommt, dass Depressionen in unterschiedlichen
Erscheinungsformen auftreten. Während ein Betroffener Leere und Taubheit im
Inneren fühlt, wird ein anderer von seiner Trauer förmlich überrollt.
Dennoch
lassen sich einige Symptome bei allen Betroffenen feststellen, die sich auf drei
Ebenen unterscheiden lassen: 1.Verändertes Erleben, wobei Gefühle der
Hoffnungslosigkeit, eine negative Denkweise und eine pessimistische Einstellung
dominieren, 2.Verändertes Verhalten, was eine massive Verhaltensänderung
beschreibt, Betroffene ziehen sich vor der Außenwelt zurück, vermeiden soziale
Kontakte und ihre Gestik und Mimik verändert sich, sowie 3., die körperlichen Beschwerden, die körperliche
Begleiterscheinungen von Depressionen sind und bei denen es zum Beispiel zu
Schlaf- und Essstörungen kommt. Es gibt viele verschiedene Arten von
depressiven Erkrankungen, die meist in Phasen verlaufen und sich über Wochen,
Monate, Jahre hinweg ziehen können und oft auch mehrmals auftreten. Bei Betroffenen, die lediglich an diesen
sogenannten depressiven Episoden leiden, spricht man von einer unipolaren
Depression. Als bipolare affektive Störung wird ein Fall bezeichnet, in dem
nicht nur depressive, sondern auch manische Episoden, die durch Tatendrang,
gehobene Stimmung und Größenideen gekennzeichnet werden, vorkommen. Chronisch
verlaufende Depressionen nennt man Dystymie. Darüber hinaus können Depressionen
in Form von körperlichen Erkrankungen, wie einer Schilddrüsenfunktionsstörung,
auftreten. Ein bestehendes
Diagnoseverfahren zur Unterscheidung nennt sich ICD 10 („International Classification
of Disorders“), bei dem die Symptome in Abhängigkeit von Anzahl, Dauer und
Schwere in die Formen der Depressionen unterschieden.
Zwar sind Depressionen
eine etwas andere Art von Krankheit, jedoch sollte man sie nicht unterschätzen
und in der Gesellschaft als das, was sie ist, eine Krankheit, akzeptieren.
Luisa Vadasi