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Samstag, 4. April 2015

Eseling


Eseling - Das etwas andere Hobby



Andere gehen reiten – ich gehe regelmäßig mit zwei Eseln namens Karim und Baldur spazieren.
Karim und Baldur gehören Rolf und Claudia Scharer aus Kuppenheim und sie stehen im Kastanienweg 12 in Winkel.
Eselfan bin ich aus unerklärlichen Gründen schon seit Kleinkindalter, aber erst durch Karim und Baldur habe ich richtigen Kontakt mit Eseln. Ich habe die beiden vor fast drei Jahren kennengelernt, als ich bei einem Ferienspaßangebot teilgenommen hatte. Damals war ich so begeistert von ihnen, dass ich wiederkommen durfte.

Aus einigen Eselbesuchen wurden letztendlich immer mehr, und inzwischen sind wir ungefähr zwei bis dreimal in der Woche bei Karim und Baldur. Wir, das bedeutet ich und meine Schwester, die sich inzwischen auch mit dem „Eselvirus“ infiziert hat und immer bei den Eseln dabei ist. Wir haben auch einen festen „Eseltag“, an dem wir einmal die Woche die Esel versorgen, mit ihnen kleine Kunststücke üben und vor allem spazieren gehen. Außerdem sind wir oft an den Wochenenden oder in den Ferien bei den Eseln, um mit Rolf und Claudia besondere Ausflüge oder lange Spaziergänge zu unternehmen.



Wir machen mit den Eseln sehr viele verschiedene Dinge: Wir gehen mit ihnen kurz spazieren, sind manchmal aber auch 5 Stunden und mehr mit ihnen unterwegs. Wir fahren mit dem Hänger an den Rhein oder in umliegende Stadtteile, um dort spazieren zu gehen. Wir besuchen mit Karim und Baldur andere Esel; da kann es auch mal vorkommen, dass wir mit vier oder fünf Eseln unterwegs sind. Wir haben schon bei einem Jubiläumsumzug mitgemacht, waren mit Nikolausmützen auf dem Weihnachtsmarkt und sind an Fastnacht immer in Mexikaner-, Schlafmützen- oder Piratenkostümen unterwegs. Regelmäßig besuchen wir auch Altersheime oder Kindergärten, um dort Kinder oder ältere Menschen zu erfreuen. Außerdem führen Rolf und Claudia manchmal auch verschiedene Theaterstücke mit den Eseln auf, und oft werden Kindergeburtstage bei Karim und Baldur gefeiert. Und wenn alles gut läuft, fahren wir im Sommer mit ihnen auch drei Tage lang auf einen Eseltreff nach Forst bei Bruchsal, an dem sie ca. 100 andere Esel treffen.

Und wer sich jetzt fragt, was man an so sturen Tieren so toll finden kann, den muss ich gleich noch über ein Vorurteil aufklären: Esel sind keinesfalls stur. Sie vertrauen einem Menschen nur nicht blind, sondern entscheiden selbst. Daher rennen sie bei einer von ihnen empfundenen Gefahr auch erst kurz weg, bis sie sich sicher fühlen und bleiben dann aber stehen, um die Gefahr erstmal abzuwägen. Denn das wäre in der freien Wildbahn, der Steinwüste, lebensgefährlich. Esel sind sehr vorsichtig und lassen sich nichts befehlen. Man muss sie überzeugen. Und eben diesen eigenen Kopf liebe ich so an ihnen, vielleicht sind sie mir da einfach zu ähnlich. Vor allem sind Esel sehr verschmust, menschenbezogen, sanft und lieb. Sie lernen gerne und sind ziemlich ruhig und langsam. Sie können allerdings auch richtig übermütig und wild sein, was durchaus auch beim Spaziergang vorkommen kann… Außerdem sind sie sehr aufgeschlossen und merken sich alles, was sie gehört, gelernt oder ihnen widerfahren ist. Bei einem Spaziergang mit ihnen kann man rundum entspannen, und man erlebt immer wieder was Neues. 


Das Einzige, was einen ruhigen Spaziergang mit einem Esel unterbrechen kann, ist Wasser. Denn Wasser hassen Esel über alles, sowohl von oben in Form von Regen (Regen saugt sich in ihr Fell wie bei einem Wollpulli) als auch von unten in Form eines Baches (sie wissen ja nicht, wie tief das Wasser ist)… Und Gras, denn Esel können nicht verstehen, dass sie an so leckerem Grün einfach vorbeilaufen sollen. Aber woher können sie denn auch wissen, dass sie nie zu viel fressen dürfen, da ihre Vorfahren aus der Wüste kommen und dort gelernt haben, nie wählerisch zu sein und auch mal mehr als nötig zu fressen, was in unseren Vegetationszonen natürlich schon wieder ungesund ist? Und dass dieser Stoffwechsel weitervererbt wurde und sie deshalb nur Heu, ein bisschen Stroh, wenig Gras und ab und zu eine Karotte oder ein Apfel haben dürfen, weil sie z.B. von zu viel Gras schnell Hufrehe bekommen?



Weltweit werden Eseltouren angeboten. Überall in Deutschland, aber selbst in Irland, England, Zypern, Kreta, Mexico, Australien und vielen anderen Ländern weltweit, findet man verschiedene Angebote. International ist dies als Donkeywalking bekannt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Oftmals werden Esel für ganze Wochen oder Wochenenden verliehen, teilweise werden Wanderungen von 2h angeboten und manchmal bringen die Esel einen nur kurz zu einem besonderen Ort. Alles in allem sind Eselwanderungen oftmals nicht gerade kostengünstig, aber doch lohnenswert.
Ich bin  jedenfalls froh, mehrmals die Woche kostenlos mit zwei tollen Eseln spazieren gehen zu dürfen.




Auch Helen war nun bei Karim und Baldur dabei, um sie einmal zu erleben. Hier ihre Erfahrungen:


„Bevor wir losgelaufen sind, sollte ich erst mal das Vertrauen der Esel erlangen. Sie bekamen Streicheleinheiten und noch eine Karotte.
Doch zur Eselwanderung gehört, wie ich gezeigt bekommen habe, nicht nur streicheln und laufen, sondern auch die Hufe sauber zu machen, was aber selbst für Unerfahrene kein Problem ist, da die Esel sehr brav sind.
Eselwanderung ist nicht langweilig, wie viele denken. Es sind sehr liebe, aber durchaus auch starke Tiere, die sehr übermütig und schnell sein können, was aber nicht so oft vorkommt. Aber sie  laufen  viel und gerne auch mal querfeldein.
Zwischendurch kann man auch Tricks machen, z.B. Karussell: Hierbei läuft der Esel um dich herum, ohne dass du dich mitdrehst. Natürlich freuen sie sich dann, wenn du sie lobst und ein Stück Karotte gibst.
Nach einer schönen Wanderung wurden die Hufe nochmals sauber gemacht und das Fell gebürstet. Als nächstes säuberten wir den Stall und holten zur Überraschung für die Esel ein paar Äste, die die Esel gerne essen und auch gut für die Zähne sind. Da wir noch Zeit hatten, gingen wir auf den Dachboden von dem Stall, wo sich das Heu und Stroh befindet und bereiteten Körbe als Futterrationen vor.
Zum Schluss gab es noch etwas ganz besonders für die Esel, was sie immer nur montags bekommen: Mash, ein Müsli aus Kräutern und dazu Bierhefe, was gut für die Verdauung und das Fell ist und wenig Kalorien hat.
Mir hat es sehr gut gefallen. Jeder, der schon mal eine Eselwanderung gemacht hat, hat bestimmt gemerkt, dass es was ganz anderes ist als mit einem Hund zu laufen.
Doch wichtig ist, dass man Geduld hat, denn nicht immer möchten die Esel so wie man will, was aber eher selten vorkommt. Aber auf jeden Fall ist es mal was Neues, was man mal ausprobieren sollte.“

    2 Esel und zwei Eselfans unterwegs (v.l.n.r. Helen, Baldur, Karim, ich)



Wer auch mal Interesse daran hat, einen Spaziergang mit Karim und Baldur zu erleben, der kann sich melden unter:
Rolf und Claudia Scharer
07222/48258
esel@scharer24.de
http://esel.scharer24.de


Oder einfach bei uns:
Lisa und Franziska Böhm
(Klasse 9c und Kursstufe 1)
07225/75909
lisa.boehm3@web.de


                                                                                                           Lisa Böhm, Helen Kraft

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